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Trinity

Watchmen in Serie - Bekommen wir endlich eine gute Adaption?

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Damon Lindelof hat große Visionen für seine Watchmen-Serie bei HBO. Der Lost- und Leftovers-Autor könnte uns endlich eine gute Adaption des Comic-Klassikers liefern.

 

Zack Snyders Watchmen hat einen der besten Trailer der Werbegeschichte hervorgebracht. Dabei blieb es allerdings. Die Adaption der wegweisenden Comic-Reihe von Alan Moore und Dave Gibbons genießt bei vielen moviepiloten aus nachvollziehbaren Gründen Kultstatus (7+ Punkte in der Durchschnittswertung). Es ist einer dieser Filme, die vom Glauben getrieben werden, ihr Genre mal so richtig hart ranzunehmen, aber dabei über alle seine Fallstricke stolpert, von der übermenschlich stilisierten Action bis zum klinisch sauberen Massenmord, den Zack Snyder vorwegnahm, als Man of Steel noch ein feuchter Traum prophetischer Foren-Nutzer war. Watchmen - Die Wächter ist ein Hochglanzmagazin in den Covern eines Chuck Palahniuk-Romans. Als Adaption scheiterte er, gerade weil der Film sich so sklavisch an manche Panelstrecken hält, ohne die Moore'sche Essenz auch nur im Ansatz zu (be)greifen. Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer für alle Leser des okkulten Zaushaar-Magiers. Watchmen wird neu verfilmt, als Serie von HBO und Damon Lindelof. Ob wir endlich eine würdige Watchmen-Adaption erhalten?

Der "visionäre" Zack Snyder war der falsche Regisseur für Watchmen

Damon Lindelof hat Erfahrungen gemacht mit hartnäckigen Fan-Kulturen, ob als Autor bei Lost oder Drehbuch-Engineer von Prometheus - Dunkle Zeichen. Mit Zack Snyder hat er oberflächlich gesehen mehr gemein, als zunächst erwartet: Die Nähe zu den Fans ist gewichtiger Teil seiner Arbeit, die deren Engagement mit Rätseln und einem mythologischen Puzzle häufig herausfordert. Snyder gibt sich ähnlich nah an der Zielgruppe. Er ist einer von uns, dem wir den Enthusiasmus problemlos abnehmen, wenn er Batman v Superman in Halle H mit Frank Miller-Zitaten ankündigt. Nur resultiert das bei ihm in Filmen, die lackierten Insektensammlungen gleichen, deren Sammlerobjekte Menschen ähneln sollen. Bei einer mythischen Überhöhung wie in Man of Steel nimmt sich sein Stil dem Thema an, bei Watchmen grätscht der "visionäre Regisseur von 300" geradewegs hinein in die Vision von Alan Moore und Dave Gibbons.

Selbst bei einem radikalen Gedankenspiel - Zack Snyders Watchmen sei ein hervorragender Film - haben wir immer noch eine schlechte Comic-Adaption vor uns. Nun variieren jedermanns Maßstäbe für gute und schlechte Adaptionen. Die einen freuen sich über eine detailgenaue Reproduktion ihrer Vorstellungen, die anderen über ein selbstständiges Werk und die dritten über eines, das alle Fehler der Vorlage ausmerzt. Zack Snyder jedenfalls gelang das seltene Kunststück, trotz einer möglichst genauen Nachahmung der Comic-Bilder das aus den Augen zu verlieren, was Moores Vorlage ausmacht. Ein Werk in einem fremden Medium nachzuahmen, das alle ästhetischen Vorteile seines eigenen Mediums - des Comics - hervorheben will, ist sowieso ein Unterfangen zweifelhaften Sinns. Genau das war Watchmen als Comic nämlich bei Erscheinen. Nebst der Helden-Dekonstruktion, nebst des dystopischen Blicks auf eine Welt, in der Nixon den Vietnamkrieg gewann und nicht über Watergate stolperte, war Watchmen in seinem Rorschach-Test-Aufbau und der Panel-Struktur als Kulminationspunkt der Comic-Kunst amerikanischer Prägung gedacht.

Das Drehbuch von David Hayter und Alex Tse kochte Watchmen auf seinen gar nicht mal so wichtigen Plot herunter, während Snyder und Kameramann Larry Fong sich darin ergingen, die Panels mit Hilfe ihres gewohnten Zeitlupen-Fetischismus zu imitieren. Waren die "Superhelden" bei Moore bis auf Ozymandias und Dr. Manhattan im Kampf schnaufende Normalos, wurden sie in der bald 10 Jahre alten Filmversion zu Übermenschen hochstilisiert. Der alltägliche Mitläufer-Faschismus des Comedians wirkte auf einmal "cool", weil der Film selbst nicht mehr zu unterscheiden wusste zwischen dem Selbstbild seiner Figuren und seinem eigenen Bild dieser Figuren, die sich an ihren Kostümen und der Macht aufgeilen.

Damon Lindelof macht megalomanische Versprechungen für seine Watchmen-Serie

Nun verspricht Damon Lindelof in einem mehrere Seiten langen Instagram-Brief (auch ein Satz, der 2009 nach einem Therapeutenbesuch verlangt hätte), er werde auf das Alte Testament von Alan Moore und Dave Gibbons das Neue folgen lassen. Richtig gelesen, das ist seine Wortwahl. Lindelof war Showrunner der von Kritikern vergötterten Serie The Leftovers, die das schwierige Weiterleben nach der Endzeit aus Sicht der Zurückgelassenen beschreibt. Vom christlichen Sprachgebrauch mag er nicht lassen. Viel interessanter als sein teils egomanisch aufgeblasener Brief über seine eigene Beziehung zu dem Comic-Klassiker sind die Schnipsel an Informationen über das Konzept seiner HBO-Serie. Keinen Reboot wolle er umsetzen, sondern einen Remix, kein serielles Faksimile, sondern ein eigenständiges Werk, das die Bassline des Originals lieber sampelt, als sie mit den weniger fähigen Fingern zu kopieren. Das klingt vielversprechend. 

Besser noch ist das Versprechen, die Watchmen-Serie werde der Gegenwart angeglichen, die Welt von Nixon für die von Trump aktualisiert. Das ist eine erleichternde Meldung in einer auf die Nostalgie fixierten Popkultur, die keine Chance auslässt, die 80er Jahre durchzukauen. "Der Ton werde frisch und fies und elektrisierend und absurd", schreibt Lindelof. Er kann viel beteuern, wenn der Social Media-Tag lang ist. Aber: Sein Verweis auf die Bedeutung des Humors in dem Graphic Novel-Klassiker steigert die Lust auf seine Version. Snyder und Konsorten hatten Moores Witz beim Polieren der geilen Posen übersehen.

Wie auch immer sich das - es kann nicht oft genug betont werden - durchaus größenwahnsinnige Geschwurbel von Damon Lindelof in die Realität umsetzt; wie auch immer die neu geschriebenen Figuren sich gestalten, ob Lindelof scheitert oder nicht - dass er sich und sein Team zwingt, sich von dem Plot der Vorlage zu lösen, ist ein Schritt in die richtige Richtung im Umgang mit Watchmen. Das heißt noch lange nicht, dass wir ein Watchmen Babies in V for Vacation erhalten müssen, wie From Hell eines war. Die Essenz von Moore und Gibbons in ein fremdes Medium zu übertragen, ist schwer genug, die Dynamik der Panels zu kopieren ein Himmelfahrtskommando. Damon Lindelof könnte endlich eine gute Adaption von Watchmen abliefern - gerade weil er es nicht adaptieren will.

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hy @Trinity...ich lese sehr gerne seriennews und bedanke mich für deine und macready's post's 😀

nun ist es neu so, das leider zur gleichen serie mehrere threads eröffnet werden nur mit verschiedenen titeln, sodass man während des lesens erst merkt, das man ein paar std. zuvor. fast das gleiche schon mal gelesen hat^^

könnte man bitte, für eine serie nur einen thread benutzen^^ damit es wieder übersichtlich ist, für uns konsumenten😆bitte😊

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